Wann ist es genug ?

24. Januar 2021 2 Von Thorsten

Natürlich könnte man auch fragen “wieviel ist genug” ? Aber wann und wieviel hängen zusammen .

Wer mit dem Aussortieren einmal begonnen hat wird schnell merken, dass es dauert und nach einiger Zeit Dinge, die klar schienen plötzlich doch anders verlaufen können.

Alternativen zeigen sich nicht kurzfristig, ihr Erscheinen ist das Ergebnis eines Denkprozesses, einer Weiterentwicklung. Für Außenstehende kann das Ausdünnen von Möbeln und Deko eher als Rückschritt wirken. Deshalb würde ich vorsichtig sein, wem ich das erzähle . Manche sehen nicht die Chancen und die Weiterentwicklung, sondern vermuten eine temporäre Krise. Was stimmt mit ihm/ihr nicht, dass er/sie nicht mehr hemmungslos konsumiert. ? Oder kann er/sie es sich nicht mehr leisten ?

Gedankenströme zum Schaffen von Raum, Licht und Luft sind nicht sichtbar, nur erklärbar. Aber das versagt bei überzeugten Konsumenten. Also erklären kann man, muss man aber nicht.

Der Mensch ändert sich , Dinge altern , wie der Mensch , auch unterschiedlich schnell. Das T-Shirt aus Asien ist nach drei Monaten hinüber. Das Buch dagegen hält ewig. Ich habe keine Bücher mehr, könnte sie in der Bücherhalle ausleihen.

Wer in Wohnungen älterer Menschen war kennt diese Dinge : endlos viele Bücher nebst deckenhohen Regalen, Messing- und Holzskulpturen, Vasen, Tongefäße, massive Möbel, Teppiche, Bilder an der Wand und zwar an jeder ! Raumgreifende Sessel und Lampen. Diese Dinge überleben meist ihre Besitzer, weil sie dauerhaft, manchmal zeitlos und stabil konstruiert wurden. Aber leider oft viel zu viel von allem. Es dunkelt die Wohnung ab, verkleinert sie und versperrt die Wege. Wenn die Dinge nicht mehr zeitgemäß sind werden sie von den Nachfolgern entsorgt oder dem Entrümpler geschenkt. Das ist die Kehrseite von “massiv”. Wenn schon Qualität, dann bitte möglichst zeitlos.

Ein Genug ist dann vielleicht erreicht wenn man in der Wohnung freie Bahn von A nach B hat. Kein Slalomfuchteln, kein Überstrecken und Umwuchten, keine Stolperfallen oder Ecken zum Knieanschlagen. Kein sich ständiges Bücken, kein unnützes Suchen.

Wer sich auch im Dunkeln sicher durch die Wohnung bewegen kann hat schon viel erreicht.

Und wenn man dann noch weniger ungenutzten (Klein)kram im großen Raum versteckt dann ist “Genug” sogar “Optimal”.

Es geht nicht um “so wenig wie möglich”, sondern um “optimal, so viel wie nötig”.

Wer nicht ständig etwas leihen möchte , muss etwas Werkzeug haben.

Wer nicht ständig und zeitintensiv waschen möchte muss genügend Wäsche und Zugriff auf eine Waschmaschine haben .

Wer nicht ständig abwaschen möchte , muss genug Besteck haben usw.

Das Reduzieren sollte dort kritisch hinterfragt und ggfls. gebremst werden wo es immer wieder Ressourcen von Dritten einfordert (Werkzeug), Zeit verschlingt (Wäsche, Geschirr), geliebte Dinge unmöglich macht (man backt gerne, hat aber keinen Backofen).

Was für den einen problemlos loszulassen ist, ist für den anderen eine Belastung. Jeder muss sehen was für ihn vernünftig erscheint und machbar ist. Familien können auf die eigene tägliche Waschmaschine und Geschirrspüler nicht verzichten, jedenfalls nicht, wenn beide berufstätig sind, die verbliebene Zeit zum Schlafen braucht man und man kann sie nicht mit (Ab)waschen verbringen.

Wer zu Hause oder Teilzeit arbeitet und von hier auf jetzt mit wenig Terminen und viel Zeit flexibel ist, kann mit weniger Geschirr auskommen, kann von Hand abwaschen und braucht das eine oder andere Gerät zum Zeit sparen gar nicht. Ein Waschsalon in der Nähe ? Würde ich als Single sofort wieder machen.

Zu viel zu schnell rauswerfen kann auch zur Belastung werden. Deshalb plädiere ich für ein langsameres und überlegteres Vorgehen , was Monate oder Jahre dauern kann. Das Verabschieden von Dingen wird ehrlicher und die Gefahr von Fehlentscheidungen geringer.

Das “Genug” ändert sich beständig, ist von Alter, Familienstand der eigenen Weiterentwicklung abhängig . Man muss es ehrlich und selbst spüren und sich nicht zu sehr von “Challenges” und “click baits” auf YouTube beeinflussen lassen.

Hast du zu viele Dinge, dann besitzen sie dich. Wenn du ungefähr sagen kannst was du wo in der Wohnung hast dann ist womöglich ein guter Status erreicht. Wenn dagegen ein “könnte hier oder wenn nicht dann da” oder “ich weiß gar nicht was in der Schublade ist” der Normalfall ist, dann ist Handlungsbedarf.

Du solltest den Dingen den Raum zuweisen, nicht sie dir ! Kein Slalomlaufen in der Wohnung, keine Stolperfallen mit Plunder auf dem Boden, kein Versteckspiel in Schubladen , keine Dinge deren einziger Zweck es geworden ist , dass man sie abstauben muss, keine zugesperrten Räume mit meterhohen Sperrmüllkandidaten ( Keller, Dachboden, Kammer,..)