Der Weg ist das Ziel

26. April 2021 0 Von Thorsten

Ich schreibe nun über ein halbes Jahr und ein Großteil der Beiträge beschreiben das Aussortieren von Dingen. Das mag für manche Leser langweilig sein, für mich ist es essentiell.

Könnte es nicht schneller gehen ? Kann die Minimalismusreise beschleunigt werden ?

Ich denke nein. Ich habe vor Jahren mit dem Aussortieren angefangen. Bisher ist noch nichts entsorgt worden, was ich später vermisst hätte.

Vielmehr ist der Abschied von Dingen mit einer Änderung der persönlichen Einstellung verbunden. Und die ändert man ja nicht innerhalb von Tagen oder Monaten.

Heute ging z.b. der Vertikutierer. Ich habe Jahre gebraucht ihn loslassen zu können. Die Angst vor dem unperfekten Rasen war wohl zu groß ? Dabei war der Rasen nie perfekt. Und ein Gerät, das man hat, will man dann ja auch einsetzen. Sich zugestehen, dass man das nicht mehr will ist ein größerer Schritt. Kaputten Rasen muss man aushalten können, das hat nichts mit Ökoromantik zu tun, wo man sich vorstellt, einfach alles wachsen zu lassen. Eine solche Fläche ist dann nicht begehbar. Ein Plan und Wissen müssen vorhanden sein, sonst endet das in einer Unkrautwüste mit Anzeige vom Nachbarn.

Es gibt sie also, die Dinge, die schwer gehen, auch ohne Sentimentalität, aber vielleicht mit einem „zu viel“, „zu perfekt“, „zu lange dran gewöhnt“.

Wenn ich die YouTubes sehe wie konsequent manche Ballast loswerden bin ich sprachlos. Singles können aber viel mehr loswerden, sie müssen sich mit niemandem absprechen und dann landen Dinge auf der Abschussliste, die für Familien undenkbar wären.

Kühlschrank oder Waffeleisen abschaffen ? Ganz bestimmt nicht. Wird beides genutzt.

An diesen beiden Gegenständen man sehen, dass das Loslassen ab einem bestimmten Punkt die Möglichkeiten oder für manchen gar die Lebensqualität einschränken. Und das ist sehr individuell.

Nicht verzweifeln, wenn Hochglanzminimalisten den Weg in Rekordtempo schaffen. Das dann als Motivation nehmen, aber nicht vergleichen oder verzweifeln. Oft haben diese „Vorbilder“ schon jahrelangen Vorsprung. Den gilt es erst einzuholen. Phasen der Orientierung und der Konsolidierung sind heilsam und reduzieren Stress.