Und was machst Du dann ?

17. Juni 2021 2 Von Thorsten

Manche Gesprächspartner sind hartnäckig. Wenn Du erzählst , dass du Minimalist bist, dann wollen sie wissen, was du machst, wenn du den ganzen überflüssigen Krempel rausgeworfen hast.

Da sie den Weg nicht sehen vermuten sie ein konkretes Ziel am Ende einer Handlung. Aber da ist weder Erlösung und auch kein Schild mit „Herzlichen Glückwunsch, sie haben es geschafft“.

Das ist ungefähr auf der Ebene eine exotische Sprache zu lernen. „Was machst du denn damit ?“ ist dann die entsprechende Frage. Vermutet wird, dass man die Sprache nur lernt, um dann ganz klar in dieses Land zu reisen und Urlaub zu machen.

Dass Dinge Selbstzweck sind und nicht einem weiteren Zweck dienen ist uns abhanden gekommen. Müßiggang war eine Tugend, heute wird Selbstoptimierung und ständige Beschäftigung erwartet.

Wer da nur sitzt muss mindestens meditieren oder Yoga machen, sonst ist das ganz klar : Faulheit. Die Person kann offensichtlich nichts mit sich anfangen und sitzt da nur.

Bei Loriot treibt die Frau ihren Mann in Rage, sie lässt nicht locker. Er möchte nur da sitzen. Sie fragt, ob er spazieren gehen möchte, ob er etwas lesen möchte. Sie gängelt so lange bis er laut wird. Sitzen verboten, jedenfalls nicht einfach so. Die Leistungsgesellschaft, die Kultur sagen : du sollst nicht sitzen ohne Zweck. Weil du dann nicht arbeitest und nicht konsumierst.

Und so ist es mit dem Minimalismus. Die Menschen vermuten ein kurzes Experiment, evtl. eine konzertierten Frühjahrsputz. Dann sollte es ja so weitergehen wie vorher und es wird der leere Platz mit Dingen aus dem Shopping befüllt. Diese Phase geht vorbei und bald wird der Kollege ganz sicher erzählen welch tolles Teil er an die freie Stelle gestellt hat.

Dass der Minimalist nichts mehr kauft , dass man nur dasitzt, wenn man möchte, dass man eine Sprache lernt einfach so oder sonst ein Hobby hat, dass keine Sammlervitrine erfordert wird in Zeiten von Selbstoptimierung und unendlichen Konsummöglichkeiten nicht verstanden oder nicht wirklich akzeptiert.

Wenn das jeder machen würde hätten wir weniger Müll, weniger Konsum, wir bräuchten weniger Wohnraum, bräuchten weniger Geld zum Leben und hätten mehr Zeit. Glück gäbe es nicht mehr zu kaufen, man könnte es sich in der freien Zeit selbst schaffen.

Die Frage lässt sich so beantworten : „Genauso weiter wie bisher“. Irritierte Blicke der Konsumenten garantiert 😉