Wäsche : M-wert -410

Wäsche : M-wert -410

22. Oktober 2021 0 Von Thorsten

Ich habe mir einen Ruck gegeben und Wäsche aussortiert. Es fällt mir nicht leicht, deshalb habe ich auch ewig gebraucht. „Kann man noch brauchen“ und „zieht man an bis kaputt, zu klein, ausgeleiert“ sitzt tief und ist auch nachhaltig, wenn man die Kleidung denn auch trägt und nicht nur aufhebt. Ich hatte das Gefühl zu viel zu haben und habe die ältesten Teile aussortiert. Etwas zu eng, etwas aufgerubbelt, eigentlich noch tragbar, aber eben zu viel. Diese Kleidungsstücke machen keine Freude mehr, wobei ich diesen Anspruch nie hatte. Kleidung muss für mich funktionieren, schicke Mode ist nicht notwendig. Ich will wettergemäß angezogen sein und brauche mich nicht zur Schau zu stellen.

Früher wurde selbstverständlich gestopft, neue Gummibänder eingezogen oder Reissverschlüsse eingenäht. Wäsche war wertvoll und war nicht so einfach zu bekommen. Wer durch Kriegsjahre, Nachkriegsjahre oder Eltern bzw. Großeltern aus dieser Zeit geprägt wurde kann das nachvollziehen. Eine Mütze, Handschuhe,Schal, alles wurde bewacht, jüngere Geschwister bekamen, was noch gut war. Es wurde praktisch auch nichts verloren.

Man passte auf seine Dinge auf und wurde dazu ermahnt.

Heute lassen die Kinder alles in der Schule, sogar Jacken. Und das Schlimmste : es wird nicht bemerkt, die Wäsche wird in der Schule gesammelt und zu einem Stichtag entsorgt. Offenbar haben die Kinder mehrere Jacken , dann wird eben eine andere angezogen. Das war früher definitiv anders.

So eine Prägung ist hilfreich für Minimalismus und Nachhaltigkeit. Neue Generationen betrachten die Geschäfte als immer verfügbare Warenlager. Es wird nach Laune gekauft, die Klamotten werden zum Teil gar nicht benötigt, es geht nur um das Shoppingerlebnis. Nachhaltigkeit muss mühsam erlernt werden, denn all diese jungen Menschen sind im Konsumpf aufgewachsen. Anstatt nach Bedarf und nach Plan vorzugehen wird nach dem Motto „ich bin es mir wert“ gehandelt. Die Werbung hat hier ganze Arbeit geleistet. Sich belohnen, der Snack zwischendurch, das Neueste ist das Beste, alles jahrelang gelehrt und vom Publikum verinnerlicht. Wer konnte sich dem entziehen ?