Unperfekte Dinge

Unperfekte Dinge

13. Mai 2022 1 Von Thorsten

Vor Kurzem habe ich hier etwas über parasitäre Dinge geschrieben. Dinge, die permanent ärgern, Zeit kosten und „nicht gehen wollen“.

Es gibt auch eine andere Seite, eine Gute : die unperfekten Dinge, die nicht ganz in Ordnung, ideal, aber immer noch gut funktional sind. Leichte Macken, Abnutzungserscheinungen oder optische Blessuren hindern nicht , sie zu benutzen oder sie schön zu finden :

Der Bilderrahmen mit dem Riss. Der Tisch mit dem kleinen Farbfleck. Die leicht verzogene Schranktür.

Sie funktionieren und kleine Blessuren müssen nicht unbedingt zum Austausch führen. Es sei denn….der Perfektionismus gewinnt Oberhand und lässt einen zum wütenden Konsumenten werden : Raus mit dem Teil, ein Neues muss her ! Schöner, Größer, Schneller, Perfekter ! Die Werbung möchte, dass wir Dinge, die Macken haben ersetzen. Noch einen Griff zusätzlich, ein Einfüllfach mehr, eine Modefarbe, unnützes Zusatzzeugs im Karton, aus einem Bügeleisen wird mit Gedöhns und ein paar Accessoires eine „Bügelstation“, damit wir uns stärker und wichtiger fühlen. Dann zahlen wir auch das zehnfache…. Englische Namen werden übergestülpt, weil es sich dann noch modischer anhört.

Minimalisten können oder sollten diesem Drang widerstehen. Es ist sicherlich möglich sich von einem Gegenstand zu trennen, wenn er nicht ganz in Ordnung ist. Aber eine überhastete, reflexartige Austauschaktion ist nicht gut, auch nicht für den Geldbeutel.

Eine Leserin hatte ihren Wäscheständer beschrieben (danke dafür) und ich ergänze zwei Bilder, weil wir genau so einen unperfekten Wäscheständer haben. Mit der „Reparatur“ ist er funktional 100% in Ordnung ist, deshalb auch nicht parasitär, sondern mit seiner angebrochenen Stange akzeptiert. Kaum zu sehen. Da wackelt auch nichts.

Stange, mit einem Bindfaden fixiert, hält schon 10 Jahre oder länger.

Unser zweiter Wäscheständer hat eine Bodenrolle verloren, sie rutscht raus, wenn man ihn bewegt. Dann kippt der ganze Turm um. Ich hatte die Rollen schon einmal festgeklebt, deshalb kann man ihn nicht mehr rollen, nur tragen. Dabei fällt er dann manchmal auseinander. Er ist also an der Grenze parasitär zu sein. Wir nutzen nur die obersten Roste mit Stangen, um Hosen aufzuhängen. Sechs der acht Roste mit Stangen sind ungenutzt. Vorerst bleibt er.