Warum dein Garten nicht minimalistisch sein sollte

Warum dein Garten nicht minimalistisch sein sollte

4. Juli 2022 5 Von Thorsten

So schön der Minimalismus in der Wohnung ist, desto weniger ist er für einen nachhaltigen und ökologischen Garten geeignet. Das Wohnen in festen Wänden aus Stein, eine künstliche Angelegenheit, so lange gibt es das noch gar nicht . Mit dichten Fenstern, Heizung , fließend Wasser, Stahl , Glas und Kunststein wurde der Schnitt von der Natur endgültig vollzogen.

Deshalb lieben wir Balkons, Gärten, Wälder, Gewässer.

Johanniskraut, wächst wild

Wie unnatürlich ist das eigentlich in einer Betonwüste zu wohnen nd für eine Erholung im Wald weit aus der Stadt fahren zu müssen. Dann muss der Park, der Balkon, die Straße mit den Straßenbäumen, die bunten Vorgärten oder die Kleingartenanlagen herhalten.

Gelbe Schafgarbe

Wer einen Balkon oder einen Garten hat , hat die Möglichkeit etwas Natur zurück zuholen. Und das sind bitte nicht die Pflanzen, die es oft beim Discounter gibt , gefüllte Blüten bringen gar nichts. Sie sind zudem regenanfälliger. Einfach blühende Sorten mit vielen Staubgefäßen sind am besten.

Weiße Lichtnelke, säte sich von einer Mutterpflanze selbst aus.

Blühende Stauden und Sträucher , möglichst mit Blühzeiten über das Jahr verteilt sind ideal. Ein Stück Wiese oder ein Topf auf dem Balkon , in dem sich Wildkräuter selbst aussähen oder wo man etwas nachhilft, vielleicht mit winterharten Gewürzpflanzen wie Thymian oder Oregano sind ein gewisser Ausgleich für den Raubbau an Fläche.

Blühende Zitronenmelisse und ungefüllte Rose

Keine Schotterflächen, keine Zierkiesel, keine Steine. Diese verschlechtern das Mikroklima.

Die Natur möchte keinen Minimalismus im Sinne von „möglichst wenig“. Wo „möglichst wenig“ realisiert wird, Steine, Beton, Metall und Plastik installiert werden oder bloßer Rasen liegt ist ökologische Wüste.

Rosmarin und Wollziest, wird von Laien manchmal für Salbei gehalten 😮

Auch „möglichst wenig“ in der Form von geometrischer Strenge mit wenig Pflanzenarten sind eine Katastrophe. Sitzt der Schädling in einer Pflanze wandert er schnell von Pflanze zu Pflanze. Zudem bieten Monokulturen auch nicht so viel übers Jahr für Insekten.

Im Hausgarten ist eine unversiegelte, artenärmere Bepflanzung nicht ganz so tragisch. Die Flächen sind nicht so groß, die Nachbarn haben evtl. andere Pflanzensorten Die Vielfalt kann sich immer noch durch ein Netz von verschiedenen Gärten ergeben. Leider sind es dann doch oft die Thuja oder der Kirschlorbeer aus dem Baumarkt. Beides eine schlechte Wahl. Ökologisch toxisch.

Trotzdem sollte der Ehrgeiz sein : der Garten oder der Balkon an sich sollte auch eine Vielfalt bieten, so weit es eben geht. Mit dem Anspruch die Vielfalt jedes Jahr zu erhalten oder zu verbessern. Im Gegensatz zu Möbeln in der Wohnung verändern sich Pflanzen durch Wachstum oder Absterben von selbst. Na ja, wenn so ein Möbelstück nicht kaputt geht, aber größer wird es nicht 😉

Hier muss man unter ökologischen Gesichtspunkten mit anderen Mitteln herangehen : möglichst viele blühende Arten, möglichst wenig Versiegelung und dabei im Blick , dass der Garten pflegeleicht bleiben soll.

Das ist fast schon ein Widerspruch. Viele Pflanzen, wenig Arbeit. Das geht nur mit viel Erfahrung und Investition in Wissen. Der Zeitaufwand beim Bepflanzen und Pflegen ist viele Jahre hoch. Bis die Pflanzen größer sind, die passenden Standorte identifiziert und zum Boden und Klima unpassende Pflanzen gegangen sind. Größere Pflanzen werfen Schatten und unterdrücken Unkraut. Das erleichtert die Arbeit.

Leider ist die Geduld oft gering. Da ist dann die Versiegelung, das Setzen teurer Solitärpflanzen , Einheitshecken oder Rollrasen gewünscht. Mit viel Geld soll es „pflegeleicht“ sein und zwar sofort. Klasse, genau wie bei einem Grab : Platte drauf, Pflanzen rein und Schluss mit Allem bis auf einen repräsentativen „Baum“, der eingekeilt nicht höher als drei Meter werden soll bitteschön. So ein toter „Garten“ ist dann minimalistisch im Sinne von Design , wenig drin, etwas für’s Auge, wem sowas gefällt. Granit , Gabionen, Stahl, die Gärten des Grauens. Ein Massengrab zum Repräsentieren sozusagen.

Gartenarbeit ist vergleichbar mit dem Ausräumen , Ausmisten, Putzen und ordentlichem Einräumen in der Wohnung: Es ist von Zeit zu Zeit notwendig.Die Regelmäßigkeit macht es (einfacher/besser).

Deshalb ist der Ansatz „Maximalismus in der Vielfalt der Bepflanzung und Minimalismus in der Pflege“ ein spannende Herausforderung. Der Widerspruch löst sich zunehmend auf mit dem Reifen des Gartens. Je älter er wird, desto weniger Pflege ist notwendig.

Merke : wenn die Bemerkung vom Besucher fällt „des sieht schee aus !“ dann höchste Alarmstufe, denn es ist vermutlich klinisch tot. Erfolgt nur ein ungläubiger Blick mit Stirnrunzeln und Schweigen , dann ist es genau richtig für die Natur. Mit vorsichtigen Eingriffen und erkennbarer Pflege und ein paar dezente Blüten kommt dann vielleicht doch ein Lächeln.